Fachtag 2018: Für Vielfalt im Sport

Beim achten Nachmittag für das Ehrenamt weiteten die Teilnehmenden in sechs informativen Werkstätten ihren Blick auf den Breitensport.

„Zum ersten Mal heißt die Veranstaltung ‘Vielfalt im Sport‘, auch als Zeichen, dass wir uns noch breiter aufstellen möchten“, so Moderator Boris Knoblich in seinem Eröffnungsstatement beim achten Nachmittag für das Ehrenamt in der Gerhard-Schlegel-Sportschule (LSB) am 23. November 2018. Neben dem Berliner Fußball-Verband, der Landeskommission Berlin gegen Gewalt, dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg und den Fußballclubs Hertha BSC und 1. FC Union war erstmals auch der Landessportbund Berlin (LSB) als Gastgeber mit von der Partie. Und dass das Motto ‘Vielfalt im Sport‘ auch verkörpert wurde, das zeigte sich nicht zuletzt an der Fülle an Sportarten, die beim Fachtag vertreten waren. So fanden sich unter den Anwesenden Handballer/innen, Eishockeyspieler/innen und natürlich Fußballer/innen, sogar ein Wasserballspieler war mit von der Partie. „Im Berliner Breitensport spiegelt sich nicht nur die Vielfalt der Menschen, sondern auch die Vielfalt der Sportarten wider“, brachte es Thomas Härtel vom LSB auf den Punkt.

Eingeladen waren Trainer/innen, Betreuer/innen, Schiedsrichter/innen, Fans, Eltern und Verantwortliche aus Sport, Politik, Medien und Verwaltung über aktuelle Themen des Breitensports zu diskutieren, ehrenamtliches Engagement anzuregen und sich gegenseitig auszutauschen und zu informieren. „Menschen, die mit Herzblut anderen helfen: Das macht den Fußball und den Berliner Sport im Allgemeinen aus und ist zugleich Geist dieser Veranstaltung“, so BFV-Vizepräsident Gerd Liesegang.

Austausch in Werkstätten zu einer Bandbreite an Themen

Nach der Begrüßung und einem Podiumsgespräch ging es zum eigentlichen Kern des Fachtages über. In sechs parallellaufenden Werkstätten hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Erfahrungen zu konkreten Themen auszutauschen und neues Wissenswertes zu erlernen. Dabei wurde eine Bandbreite an Themen diskutiert, wie beispielsweise Homophobie im Sport, Angebote zu gesunder Ernährung oder Anti-Gewalt-Training.

Eine der Werkstätten drehte sich um die These, dass Alkohol und Fußball zusammengehören. Wichtig sei, dass Erwachsene, Vereine und Verbände eine Vorbildfunktion einnähmen, um endlich für das Thema zu sensibilisieren, da sich die Gesellschaft diesbezüglich bereits enorm verändert hat.

In einer anderen Werkstatt ging es um die Frage, ob sich der Profisport immer weiter von den Amateuren entfernt. Zum Teil seien die Summen, die im oberen Amateurbereich bezahlt werden, schon absurd hoch, so eine der Aussagen im Workshop. Und dennoch müsse die Auseinandersetzung mit der Thematik differenziert stattfinden. So sollen in Zukunft noch mehr Berliner Profivereine aus unterschiedlichen Sportarten am Fachtag teilnehmen.

Fachtag „ein fester und wichtiger Bestandteil im Berliner Sportkalender“

Beeindruckend war der Eifer und Tatendrang, mit dem die Teilnehmenden in den Workshops diskutierten und Erfahrungen austauschten. „Bereits zum achten Mal sind wir hier zusammengekommen“, so das Fazit von Moderator Boris Knoblich in der Abschlussrunde, „und es war wieder einmal ein voller Erfolg. Mittlerweile ist der Fachtag zu einem festen und wichtigen Bestandteil im Berliner Sportkalender geworden. Alle freuen sich aufs nächste Jahr.“

8. Nachmittag für den Sport und das Ehrenamt

Am Freitag, den 23. November 2018 lädt der BFV in Zusammenarbeit mit dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg, dem Landessportbund Berlin, Hertha BSC, dem 1. FC Union Berlin und der Landeskommission Berlin gegen Gewalt zum 8. Nachmittag für das Ehrenamt in die Gerhard-Schlegel-Sportschule. Mit dabei sind u.a. BFV-Vizepräsident Gerd Liesegang, Aleksander Dzembritzki, Staatssekretär für Sport in Berlin, der Vizepräsident Sportinfrastruktur des Landessportbundes Berlin, Thomas Härtel, und Iris Jensen von der Sportjugend Berlin. Ziel der Veranstaltung ist es, mit allen Beteiligten über aktuelle Themen des Breitensports in den verschiedensten Feldern zu diskutieren, ehrenamtliches Engagement anzuregen und zu unterstützen sowie die Möglichkeit zum Informationsaustausch zu geben. Nachdem sich die früheren Fachtage vorrangig mit Themen rund um den Fußball auseinandergesetzt haben, steht beim achten Fachtag der Breitensport im besonderen Fokus. 

In sechs parallel stattfindenden Werkstätten tauschen sich die Teilnehmer/-innen über Inhalte wie Homophobie im Sport, gesunde Ernährung, Anti-Gewalt-Training, Menschenhandel im Fußball, „Profis vs. Amateure“ und „Fluppe und Bier gehören zum Fußball!“ unter Leitung erfahrener Expert/-innen in den jeweiligen Themen aus.

Ablaufplan zum 8. Nachmittag für das Ehrenamt

15:00 Uhr: Markt der Möglichkeiten
15:30 Uhr: Eröffnung und Grußworte
16:30 bis 19:00 Uhr: Werkstätten

Werkstatt I: „Fluppe und Bier gehören zum Fußball!“
Werkstatt II: Menschenhandel im Fußball
Werkstatt III: Anti-Gewalt-Training
Werkstatt IV: Gesunde Ernährung
Werkstatt V: „Profis vs. Amateure“
Werkstatt VI: Homophobie im Sport

19:15 Uhr: Abschlussrunde – Eindrücke aus den Werkstätten
19:45 Uhr: 3. Halbzeit mit Buffet und Erfrischungen
21:00 Uhr: Schluss

Trainer/-innen, Betreuer/-innen, Schiedsrichter/-innen, Fans, Eltern und Verantwortliche aus Sport, Politik, Medien und Verwaltung sind herzlich eingeladen, am 8. Nachmittag für das Ehrenamt in der Gerhard-Schlegel-Sportschule teilzunehmen. Interessierte melden sich bitte bis zum 19. November 2018 online an unter http://formular.berlinerfv.de/bfv/vereine-stark-machen-2018.

Alle Informationen im Überblick

Datum/Zeit: Freitag, 23. November 2018, 15:00 bis 21:00 Uhr

Ort: Gerhard-Schlegel-Sportschule (LSB Berlin) (Priesterweg 4-6B, 10829 Berlin)

Anmeldung: Bis Montag, 19. November 2018 unter http://formular.berlinerfv.de/bfv/vereine-stark-machen-2018

Flyer zur Veranstaltung als Download-PDF

Rückblick 2017

Der siebte Nachmittag für den Fußball war geprägt von informativen und hilfreichen Workshops rund um das Thema „Vielfalt im Fußball“.

„Fußball kann Menschen zusammen bringen“, sagt Moderatorin Frauke Oppenberg, als sie die Veranstaltung am 20. Oktober gegen 15:30 Uhr eröffnet. Diese These wird bestätigt, wenn man sich in dem Saal im Rathaus Kreuzberg umsieht – die unterschiedlichsten Menschen aller Geschlechter, mit breit gefächerten kulturellen Hintergründen und den verschiedensten Funktionen sind anwesend. „Fußball wird quer durch die Gesellschaft gespielt und gelebt. Der Fußball in Berlin  besteht nicht nur aus Hertha und Union. Er ist ein Breitensport, der eine hohe Vielfalt besitzt“, sagt Bernd Holm, Senatsverwaltung für Inneres und Sport.

Trainer/-innen, Betreuer/-innen, Schiedsrichter/-innen, Fans, Eltern, Verantwortliche aus Sport, Politik, Medien und Verwaltung oder einfach nur fachlich Interessierte wurden eingeladen, aktuelle Themen des Fußballs zu diskutieren, ehrenamtliches Engagement  anzuregen und zu unterstützen sowie sich gegenseitig auszutauschen und zu informieren. „Wir müssen uns den Problemen im Fußball, wie zum Beispiel Diskriminierung und Rassismus, in unserer Stadt stellen. Die Veranstaltung ist ideal, um neue Ideen zu transportieren und gemeinsam, so eng wie möglich, an Lösungen zu arbeiten“, sagt BFV-Präsident Bernd Schultz.

Veranstaltet wurde das Ganze von der Landeskommission Berlin gegen Gewalt, dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg und dem Berliner Fußball-Verband. Mitausrichter in diesem Jahr waren die beiden Berliner Fußballbundesligisten Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin. Auf die Frage, warum Hertha BSC bei der Veranstaltung mitwirkt, antwortet Jugendtrainer Sofian Chahed: „ Wir ziehen alle an einem gemeinsamen Strang. Wir alle wollen, dass unsere Jugendspieler lernen, in verschiedenen Situationen richtig zu handeln und dass sie Werte erfahren und sich aneignen.“

Werkstätten zur Vertiefung einzelner Themen

Nach der gemeinsamen Einführung konnten die Teilnehmer in sechs parallel laufenden Werkstätten ihre Erfahrungen zu einzelnen Themen austauschen und ihr Wissen vertiefen. Jeder Workshop startete mit einer Begrüßungsrunde, in der jeder Teilnehmer seinen Namen, seine Funktion und seine Bewegründe, den jeweiligen Workshop ausgewählt zu haben, vorstellte.   

Immer öfter kommt es vor, dass überengagierte Eltern ins Spielgeschehen eingreifen und lautstark Anweisungen geben. In Werkstatt 1 wurde über Konflikte und negatives Verhalten von Eltern und Fans am Spielfeldrand diskutiert. Der Workshop diente zum Austausch von Negativerfahrungen und Reaktionen, aber gab auch Anregungen zur Ausarbeitung zukünftiger Präventivmaßnahmen.

Die Werkstatt 2 beschäftigte sich mit Transsexualität im Sport. Es wurde diskutiert, was Transsexualität eigentlich für den Einzelnen, aber auch für die Sportvereine bedeutet. Es wurden Begriffe erklärt, Raum für Fragen gegeben und dargestellt, welche Richtlinien der Sport vorgibt und wie man Transgender unterstützen kann.

In Werkstatt 3 wurde über Suchtprävention im Fußball gesprochen. Immer wieder gibt es im Sport Probleme mit Alkohol oder auch Pharmazeutika. Der Workshop bot offene Gespräche über eigene Erfahrungen, einen Austausch über den derzeitigen Stand in Berliner Vereinen und mögliche Perspektiven zur Suchtprävention.

Werkstatt 4 befasste sich mit dem Thema Cybermobbing und wie man sich dagegen wehren kann. Es wurde diskutiert, welche Möglichkeiten es für den Einzelnen gibt, um gegen Cybermobbing vorzugehen, wo sich Grenzen auftun und wie man Betroffene stärken kann.

Werkstatt 5 beschäftigte sich mit Antidiskriminierungsarbeit. Gedenkstättenfahrten sollen auf geschichtliche Hintergründe aufmerksam machen und so dazu beitragen, ein Interesse an der Vergangenheit und der Verantwortung gegenüber jüdischen und ausländischen Mitmenschen zu wecken. Gemeinsam wurde diskutiert, welche Projekte sich in Berlin umsetzen lassen, um sich gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus einzusetzen.

Die Werkstatt 6 klärte Berliner Vereine über Fairen Handel im Fußball auf. Vereine lernten die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Fußbällen kennen und wurden über die Alternative der „Fairen Bälle“, also Fußbälle die unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden, informiert. Um sich eng mit der Thematik auseinandersetzen zu können, hatten die Teilnehmer/-innen sogar die Möglichkeit, einmal selber ein paar Stiche an einem Fußball zu nähen.

Rundum gelungene Veranstaltung

Die Teilnehmer/-innen waren aufgeschlossen und haben mit Eifer und Tatendrang die Workshops absolviert. Im Anschluss an die Werkstätten gab es noch eine Abschlussrunde, in der Eindrücke aus den Workshops geteilt wurden. „Es ist immer wieder eine hilfreiche Veranstaltung, auf der man Vieles lernen kann“, erzählt Hassen Kamel, Ü60-Spieler vom FC Viktoria 1889 Berlin. „Der Fachtag ist immer gut organisiert. Man muss die Veranstaltung einfach loben“, lautet sein Fazit.

Auch der rbb wurde auf die Veranstaltung aufmerksam und berichtete in der Ausgabe der Abendschau vom 22.10.2017 über den Fachtag und die BFV-Kampagne „NO TO AGGRESSIVE PARENTS".

Vereine stark machen - Sechster Nachmittag für den Fußball

Der Berliner Fußball-Verband, der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg und die Landeskommission Berlin gegen Gewalt laden gemeinsam zum sechsten Nachmittag für den Fußball ein.

Der „Nachmittag für den Fußball und das Ehrenamt“ bietet die Möglichkeit, aktuelle Themen des Fußballs in verschiedenen Feldern zu diskutieren sowie ehrenamtliches Engagement anzuregen und zu unterstützen. Darüber hinaus wird ein Informationsaustausch zwischen Vereinsmitgliedern (Trainer/innen, Schiedsrichter/innen, Betreuer/innen, Eltern), Fans und Verantwortlichen aus Sport, Politik, Medien und Verwaltung stattfinden. Fünf parallel laufende Werkstätten tragen zu einer interaktiven Gestaltung des Nachmittages bei.

Ablaufplan 6. Nachmittag für den Fußball - 25. November 2016

15:00 Uhr: Markt der Möglichkeiten 
15.30 Uhr: Eröffnung und Grußworte 
16.00 Uhr: Eröffnungsrunde, ein/e VertreterIn BFV und LSVD 
16.30 – 19.00 Uhr: Werkstätten

Werkstatt I: Mädchenfußball – unterrepräsentiert oder Grenze erreicht?

Werkstatt II: Von der Integration zur Mitwirkung von Geflüchteten. Bereit für den nächsten Schritt?

Werkstatt III: Das Konzept steht, doch wer bezahlt mein Flüchtlingsprojekt?

Werkstatt IV: Ein Handicap ist kein Handicap?!

Werkstatt V: Fußball und Fans gegen Homophobie

19.15 Uhr: Abschlussrunde – Eindrücke aus den Werkstätten 
19:45 Uhr: Empfang „Dritte Halbzeit“ – Buffet und Erfrischungen 
21.00 Uhr: Ende der Veranstaltung 

Ort: Rathaus Kreuzberg, Yorckstraße 4-11, 10965 Berlin

Vor und nach der Veranstaltung wird ein Markt der Möglichkeiten angeboten, auf dem Vereine, Initiativen und Projekte sich präsentieren können, um Beispiele guter Praxis vorzustellen und Austausch und Vernetzung zwischen den Vereinen auch sportartübergreifend zu fördern.

Interessierte Vereine, Initiativen und Projekte schreiben bitte eine Email an soccer@lsvd.de

Anmeldung zum Fachtag: formular.berlinerfv.de/BFV/vereine-stark-machen-2016

Rückblick 2015

Bereits zum fünften Mal fand am 6. November 2015 der Nachmittag für Vielfalt im Fußball im Rathaus Kreuzberg statt. Im lösungsorientierten Austausch wurden aktuelle Themen angesprochen.

Hier gibt es die Dokumentation des Fachtags zum Download.

100 vorwiegend ehrenamtlich im Sport Engagierte aus Berlin und Umgebung waren der Einladung gefolgt, um über Respekt, Toleranz, Fairness und Gewaltprävention auf und neben dem Fußballplatz zu diskutieren. Aber auch Teilnehmer/-innen aus Hamburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen, die sich von der Arbeit verschiedener Initiativen und Vereine inspirieren lassen, Kontakte knüpfen und aktuelle Problemstellungen diskutieren wollten, reisten an.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch ein Grußwort von Dr. Peter Beckers, Bezirksstadtrat in Kreuzberg für Wirtschaft, Ordnung, Schule und Sport, der das Thema der Veranstaltung als „Fragen, die den Fußball, die Gesellschaft und den Kiez tangieren“ zusammenfasste. Angesichts der aktuellen Lage nutze er die Gelegenheit allerdings auch um für Verständnis zu werben, dass zurzeit vermehrt Sporthallen als Unterkünfte für Geflüchtete genutzt würden und der Sport erst einmal hinten anstehen müsse. Fußball sei mehr als nur ein entspannender und attraktiver Zeitvertreib, so Andreas Statzkowski, Staatssekretär für die Senatsverwaltung für Inneres und Sport des Landes Berlin, in seinem Grußwort. Deutschland sei mit 6,5 Millionen aktiven Fußballspielern in 27.000 organisierten Vereinen zweifelsohne eine Fußballnation und dies solle man sich zu nutzen machen: Es sei essentiell, Fairness, Toleranz und Respekt immer wieder einzufordern. Fußball könne einen „Einstieg in unsere Gesellschaft“ ermöglichen und helfen kulturelle, gesellschaftliche und soziale Unterschiede zu überwinden.

Veranstalter verdeutlichten die Absichten des Fachtages

In einer kurzen Eröffnungsrunde stellten die Veranstalter ihre Motivation, den Nachmittag für den Fußball zum 5. Mal anzubieten, vor. Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, räumte Herausforderungen im Fußball ein: Spielabbrüche, Übergriffe auf Schiris und fehlende Toleranz gebe es weiterhin – weshalb Veranstaltungen wie diese sowie eine präventive Jugendarbeit zentrale und vielversprechende Lösungsansätze seien.

Gerade bei dem Thema Homophobie sieht Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, noch viel Handlungsbedarf. Es gebe zwar Fortschritte zu verzeichnen, betonte er, aber er wünschte sich u.a. mehr Vereine, die sich an der Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne „Rote Karte für Homophobie“beteiligen, die der Berliner Fußball-Verband gemeinsam mit dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg 2013 ins Leben gerufen hat.

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz wolle die ehrenamtlichen Akteure im Fußball unterstützen und vernetzen. Zudem sei der Sport ein gutes Instrument, um Werte wie Toleranz, Antidiskriminierung und Respekt zu vermitteln. Denn um die Gesellschaft zu verändern, müsse auch der Sport in den Blick genommen werden, erklärte Johanna Suwelack vom BfDT.

Praxisnahe Werkstätten griffen aktuelle Themen auf

Anschließend konnten die Teilnehmenden in fünf praxisorientierten Werkstätten Ideen entwickeln um das Klima auf den Fußballplätzen weiter zu verbessern. Dort wurden zahlreiche Fragen aufgeworfen: Wie kann der Umgang mit Schiedsrichtern verbessert werden? Was können Vereine gegen Homophobie tun? Wie lassen sich Geflüchtete in Fußballvereine integrieren? Was tun bei sexuellen Übergriffen im Fußball? Und wie können effiziente Netzwerke im Kiez geschaffen werden?

In einer kurzweiligen Abschlussrunde befragte Moderator Boris Knoblich einzelne Teilnehmer/-innen zu ihrer persönlichen Motivation, die jeweilige Werkstatt besucht zu haben sowie nach den in den Werkstätten diskutierten Inhalten und Ergebnissen.

Anschließend bot die „3. Halbzeit“ Gelegenheit, sich auszutauschen und zu vernetzen sowie den Markt der Möglichkeiten zu besuchen, auf dem sich Projekte und Initiativen präsentierten.

Der 5. Nachmittag für Vielfalt im Fußball im Rathaus Kreuzberg wurde vom BfDT gemeinsam mit dem Berliner Fußball-Verband e.V. (BFV), dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg und der Landeskommission Berlin gegen Gewalt organisiert.

Rückblick 2014

Bereits zum vierten Mal veranstaltete der BFV am 21. November seinen Fachtag unter dem Motto „Vereine stark machen – für Vielfalt im Fußball“ im Rathaus Charlottenburg.

Dank der Zusammenarbeit zwischen dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), dem Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT), der Landeskommission Berlin gegen Gewalt und dem Berliner Fußball-Verband ist der Fachtag inzwischen zu einer echten Institution gereift: Bereits zum vierten Mal in Folge schloss man sich zusammen, um gemeinsam über die Probleme des Berliner Fußballs zu sprechen.

In fünf verschiedenen Workshops wurden verschiedene Themen präsentiert. Jeder Interessierte konnte kostenlos teilnehmen: Von Vereinsverantwortlichen bis hin zu Politikern, Fans oder Eltern hatte jeder Teilnehmer die Chance, seiner Meinung Gehör zu verschaffen. Das Ziel war es, auf Basis einer Diskussion Lösungsansätze zu finden. Nach der Begrüßung durch den Charlottenburger Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann ging es auch schon los mit den rund dreistündigen Workshops. 
Die Ergebnisse wurden anschließend im Rahmen einer ausführlichen Podiumsdiskussion vorgestellt.

Der BFV-Masterplan - eine Hilfe zur Stärkung des Amateurfußballs?

Der erste Workshop war zugleich der am kontroversesten diskutierte: Es ging um den neuen BFV-Masterplan und dessen Maßnahmen zur Förderung des Amateurfußballs. BFV-Geschäftsführer Michael Lameli und der für die Umsetzung des Masterplans zuständige Sascha Rentmeister zeigten in einer Präsentation, wie das Vorgehen und der konkrete Nutzen der Zukunftsstrategie aussehen. Im Anschluss entstand eine äußerst angeregte Debatte: Von Seiten der Vereinsverantwortlichen wurde hierbei vor allem Kritik an dem Zustand der Berliner Sportstätten geäußert, was auch auf der späteren Podiumsdiskussion noch einmal thematisiert wurde: „Die Situation der Sportstätten muss unbedingt Thema sein“, forderte der Gerd Thomas, 2. Vorsitzender des FC Internationale. Christine Lehmann vom Berliner Fußball-Verband wies wie bereits im Workshop daraufhin, dass dem BFV dieses Anliegen ebenso wichtig ist wie den Vereinen und man bereits äußerst bemüht ist, die Situation zu verbessern. Trotzdem nehme man sich dem Thema selbstverständlich weiterhin an. Auf einen gemeinsamen Nenner kam man in einem allgemeinen Punkt aber dennoch, was BFV-Vizepräsident Gerd Liesegang treffend zusammenfasste: „Wir arbeiten Wochentags bis spät abends und können Sonntags einkaufen. Alles verändert sich. Und der Fußball muss das auch tun.“

Rechtsextremismus im Fußball - Früherkennung im Verein

In Werkstatt Zwei ging es um die Entwicklung rechter Tendenzen in Fußballvereinen, aber auch bei Jugendlichen an sich. Es wurde zudem gefragt, wie man entsprechende Fälle erkennt und welche Handlungsoptionen sich ergeben. Moderiert wurde das Thema von Frank Richter vom Sportjugendclub Lichtenberg. In einer sehr „heterogenen Gruppe“, wie sich die Teilnehmer selbst bezeichneten, entwickelte sich schnell eine sehr ausführliche und emotionale Gesprächsrunde, die aber letzten Endes einstimmig zu dem Ergebnis führte: Dem Problem des Rechtsextremismus im Berliner Fußball muss entgegen gewirkt werden. Ähnlich brachte es auch Gerd Liesegang, der am Workshop teilnahm und dort Input lieferte, anschließend auf den Punkt: „Wir sind erst am Anfang der Entwicklung. Es muss noch viel getan werden, um den Rechtsextremismus zu bekämpfen. Es wird noch zu oft einfach hingenommen. Der Fußball muss sich auch helfen lassen.“ Dr. Gregor Rosenthal vom Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus und Gewalt ergänzte, der Fußball habe „das Potenzial, Menschen zu entwickeln“, gerade deshalb sei es wichtig, rechte Tendenzen in Vereinen zu erkennen und zu reagieren. Der Workshop war für alle Beteiligten aufschlussreich, allerdings verging bei dem brisanten und emotionalen Thema schnell die Zeit, sodass noch einige Aspekte offen blieben.

Anti-Gewalt-Training praxisnah

In diesem Workshop stellte Diplom-Pädagoge Stefan Kahle die Inhalte seiner Anti-Gewalt-Kurse vor und zeigte, mit welchen Methoden gearbeitet wird. Die Seminare werden u.a. in den Räumlichkeiten des BFV durchgeführt und sollen Jugendlichen dabei helfen, nicht auf Gewalt zurückzugreifen. Dazu gehören auch junge Fußballer, die im Rahmen einer Sperre verpflichtet sind, am Anti-Gewalt-Training teilzunehmen. In Form von viel Anschauungsmaterial und verschiedenen Übungen wurde den Teilnehmern vermittelt, wie die Präventionsarbeit von statten geht: Den Tätern soll bis ins Detail gezeigt werden, wie es zu der Auseinandersetzung kam. Entscheidend sind hierbei verschiedene Stufen des Konflikts, die gemeinsam aufgearbeitet werden. „Der Workshop war sehr gut und aufschlussreich, aber für das gesamte Thema sind drei Stunden am Ende leider nicht ganz ausreichend. Die einzige offene Frage ist die nach der Nachhaltigkeit der Seminare, denn die ist momentan leider nicht messbar“, lautete das Fazit von BFV-Beiratsmitglied Ingo Büchner auf der abschließenden Podiumsdiskussion. Daraufhin versicherte Gerd Liesegang jedoch: „Wir sehen den Nutzen der Seminare ganz eindeutig. Andere Landesverbände haben sich dieses Vorgehen bereits abgeschaut.“

Sprachfoul

Wo fängt verbale Diskriminierung an? Das war eine der grundlegenden Fragen in Werkstatt Vier. Robert Claus von der „Kompetenzgruppe Fankulturen & Sport bezogene Soziale Arbeit“ der Leibniz Universität Hannover, Christian Rudolph vom LSVD, Anne Petzold von Mediasport Leipzig und Johann Schwarz, Schiedsrichter beim FSV Hansa 07, boten den zahlreichen Teilnehmern reichlich Input und zeigten, welche Schritte man gegen respektloses Verhalten unternehmen kann. Zudem blieb genügend Zeit für die Teilnehmer, sich auch untereinander über ihre Erfahrungen in Hinsicht auf Beleidigungen auszutauschen. „Wir haben uns sofort darauf verständigt, keine Linie zwischen klaren Diskriminierungen und leider oft gängigen Sprüchen zu ziehen“, sagte Robert Claus anschließend. Jörg Steinert, Präsident des LSVD, kam auf den Leitfaden „Rote Karte für Homophobie“ zu sprechen, den der Berliner Fußball-Verband zusammen mit dem LSVD entwickelte: „Der BFV ist deutschlandweit Vorreiter, gerade deshalb brauchen wir ihn als starken Partner. Die Sensibilität im Jugendbereich muss gefördert werden, gerade im Jugendbereich, wo Kinder sozialisiert werden.“

Fußball & Armut: Ohne Moos nix los?

Im fünften und letzten Workshop ging es um die finanzielle Herausforderung, die das Fußballspielen für einige Menschen darstellt. In manchen Kiezen der Stadt ist es für die ansässigen Familien alles andere als leicht, ihren Kindern die Teilhabe am Sport zu ermöglichen, da selbst der oftmals geringe Vereinsbeitrag eine echte Hürde darstellt. Unter der Leitung von Johanna Suwelack vom BfDT, Christina Mauch von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport sowie Carolin Gaffron von Champions ohne Grenzen wurde versucht, sich diesem Thema zu nähern. Hierzu wurden zunächst bereits existierende Fördermöglichkeiten und Aktionen vorgestellt. Durch den regen Austausch unter den Teilnehmer, die ihrerseits zu einem großen Teil selbst im Rahmen verschiedener, sozialer Projekte rund um den Fußball aktiv sind, wurden schnell Ziele formuliert, die Dr. Gregor Rosenthal noch einmal festhielt: „Wir haben viele verschiedene Projekte. Aber die bereitstehenden Fördergelder müssen besser kommuniziert werden. Es muss mehr Informationen zu den verschiedenen Initiativen vermittelt werden.“ Ergebnis war daher eine Zusammenstellung aller bekannten Fördermöglichkeiten, welche im Workshop erarbeitet wurde.

Ein besonderer Gast: Halil Ibrahim Dinçdag

Besonderes Highlight der abschließenden Podiumsdiskussion war der Auftritt des türkischen Schiedsrichters Halil Ibrahim Dinçdag. Nachdem er 2008 den Wehrdienst verweigerte, ist es ihm seit 2009 aufgrund seiner Homosexualität untersagt, in der Türkei weiter als Schiedsrichter aktiv zu sein. Auf dem Fachtag besuchte er den Workshop Sprachfoul und war sichtlich begeistert: „Ich bin sehr glücklich, dass ich hier sein darf. In der Türkei gibt es solche Veranstaltungen, die sich mit Themen wie Homosexualität befassen, nur hinter verschlossenen Türen. Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern und werde viele der heutigen Erfahrungen mit in die Türkei nehmen.“

Zum Schluss blieb Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann nur noch zu sagen: „Berlin ist auf einem guten Weg. Der vierte Fachtag zeigt, dass das Ganze eine Nachhaltigkeit besitzt.“

Nach dem langen, aber erfolgreichen Nachmittag eröffnete Moderator und BFV-Pressesprecher Kevin Langer schließlich das Buffet, was allen Teilnehmern nochmal einmal die Möglichkeit gab, sich untereinander auszutauschen.