LG-Leitungen besprechen die Zukunft der Lehrgemeinschaften

Über drei Stunden tagten die Leitungen der Lehrgemeinschaften am 22. November 2018 beim BFV und wurden dabei über zahlreiche Neuerungen informiert. Stefan Paffrath, LG-Leitung in Kreuzberg, berichtet von diesem Abend.

Gewalt gegen Schiedsrichter

Es hat in den vergangenen Wochen mehrere Angriffe und Bedrohungen auf Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter gegeben. Jörg Wehling verurteilte diese Angriffe auf das Schärfste, da sie das Amtieren der Ehrenamtlichen in einer Weise angriffen, die inakzeptabel ist und natürlich auch die Werbung für unser Hobby nicht unbedingt einfacher macht. Viele dieser Vorfälle führten aktuell zu Abmeldungen von Schiedsrichtern und einer Krisensitzung zwischen, Schiedsrichter-, Spiel- und Jugendausschuss, Sportgericht Gerd Liesegang. Man ist sich der Bedeutung der Situation also bewusst. Dies sei ein inakzeptabler Zustand und müsse Konsequenzen nach sich ziehen. Hier handele leider auch das Sportgericht nicht immer konsequent genug. Mit derartigen Erfahrungen ist man in Berlin allerdings nicht allein: Im Rahmen eines Austauschs mit dem Rheinland musste Jörg erfahren, dass in Krefeld jeder 20. Schiedsrichter von Gewalt betroffen ist!

Neustrukturierung der DFB-Gremien

Im Elitebereich hat es eine massive Neustrukturierung gegeben. Alle Verantwortlichen arbeiten inzwischen hauptamtlich für den DFB, sodass man hier dabei ist, professionellere Strukturen schaffen zu wollen.

Abgeschafft hat man dabei allerdings auch gleich sämtliche Ehrenämter auf DFB-Ebene, sodass es beim DFB dann keinen Vorsitzenden mehr gibt, der die Arbeit in den Landesverbänden bzw. der Obleute usw. koordiniert. Dies hat bei der Lehrwarte- und Obleute-Tagung aller Landesverbände in Frankfurt wohl zu so großer Empörung und Diskussionen geführt, dass jetzt eine Arbeitsgruppe eingerichtet wurde, um eine Lösung zu erarbeiten.

Große Welle an Abmeldungen wegen fehlender Prüfungen

149 Personen wurden über den Sommer wegen fehlender Prüfungen abgemeldet. Das sind ca. 10% aller Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter.

Arbeitsgruppe der LG-Leitungen zur Zukunft der Lehrgemeinschaften

Jörg Tennstedt berichtet von der Sitzung der Lehrgemeinschaftsleitungen. Ein Vorschlag war, regelmäßig  Stützpunkte an einem Lehrabend einer LG stattfinden zu lassen.  

Ein weiterer Vorschlag ist, zunächst unter Hinzuziehung externer Experten genau zu untersuchen, welche Gründe es für die sinkenden LG-Besucher-Zahlen gibt und ganz allgemein die zahlreichen Kommunikationswege und Arbeitsprozesse innerhalb des Schiedsrichterwesens zu analysieren. Dafür bedarf es einer professionellen Datenanalyse, bestenfalls von einer externen Person. Als ebenso sinnvoll wurde eine Beratung durch einen Experten mit organisationspsychologischem Fachwissen sowie Kompetenzen in Fragen der Kundenbindung gesehen, um herauszufinden, wie man in der aktuellen Medienlandschaft junge Menschen für unser Hobby begeistern kann. Dafür wird nun nach geeigneten Personen gesucht.

Gast aus Mecklenburg-Vorpommern

Enrico Barsch, Lehrwart in MV, berichtet als Gast über das Schiedsrichterwesen in Mecklenburg-Vorpommern, das trotz der größeren Fläche mit 800-900 Schiedsrichtern weniger Schiedsrichter hat als Berlin und auch grundsätzlich anders strukturiert ist. Denn dort gibt es sechs Kreise, in denen die Ansetzungen und auch die Lehrarbeit erfolgen. Anders als in Berlin wählen dort die Vereine den Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses. Enrico bezeichnet die Berliner Verhältnisse, dass die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sich ihren Vorsitzenden selbst wählen, als „Luxus“. Aufwändiger sei die Lehrarbeit dadurch, dass in einem Flächenland der Weg zum Lehrabend auch mal 30 km weit sein kann. Das verlangt einiges an Organisation.

Dadurch sei auch die Schiedsrichtergemeinschaft schwieriger zu bilden, nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Menschen mit beruflichen Perspektiven nur für einen begrenzten Zeitraum an einem Ort leben. Angesichts dieser gesellschaftlichen Tatsachen müsste man sich von der Vorstellung verabschieden, dass jemand Schiedsrichter fürs Leben ist. Das sei ja in Berlin sicherlich noch viel stärker, wo die Vielfalt der Angebote auch in jüngeren Jahren schon viel größer seien.

Verabschieden müsse man sich auch von der Führungskultur der Angst und dem Respekt vor vergangenen Schiedsrichterleistungen. Dafür sei die Austrittshemmschwelle zu sehr gesunken. Es sei nicht wichtig, ob jemand mal in der Bundesliga gepfiffen habe, sondern, ob er in der Lage sei, mit Empathie und Verstand Menschen zu führen und voranzubringen.

Vielleicht müsse man aber auch radikalere Wege gehen, wenn es um den Kampf gegen sinkende Schiedsrichterzahlen und Gewaltvorfälle geht: Ein Spiel oder ein Spieltag müsse dann eben einfach auch mal ausfallen, wenn der Ansetzer keinen Schiedsrichter mehr findet. Da an vielen Stellen freiwillige Funktionäre fehlten, brauche es Qualifizierung und Wertschätzung für die, die da sind. Man müsse viel miteinander sprechen und im besten Fall vorher auch noch überlegen.

Was die Ausbildung und Talentförderung angeht, sieht er den Sinn nicht darin, Spitzenschiedsrichter zu generieren und sich dafür zu beweihräuchern. Sondern es gehe darum, Menschen persönlich voranzubringen und Werte zu vermitteln, z.B. den Wert davon, offen für neue Dinge im Leben zu sein, Fremdes zu schätzen und Empathie zu üben.

Vertreter der Lehrgemeinschaften im Schiedsrichterausschuss

Als Vertreter für die Lehrgemeinschaftsleitungen im Schiedsrichterausschuss hat Jörg Tennstedt nicht mehr kandidiert. Auch wenn der Wert der demokratischen Wahl hoch geschätzt wird, wird angesichts des Fehlens von Freiwilligen eine Turnus-Lösung mehrheitlich bevorzugt und Denis Waegert von der LG Reinickendorf als Vertreter gewählt, der die Wahl auch annimmt.

Veränderungen bei der Ausbildung

Es gibt eine Veränderung der Ausbildung im gesamten DFB-Bereich: Mindeststandards werden eingeführt und vom DFB werden für jede abgeschlossene Patenschaft 40 € an den Landesverband gezahlt. Berlin und Mecklenburg Vorpommern sind Pilotverbände, in denen das neue Verfahren ausprobiert werden soll. Als weitere Neuerung wird eine Voraussetzung für die Erlangung des Schiedsrichterausweises auch die erfolgreich abgeschlossene Patenschaft sein.

Außerdem wird ab der nächsten Saison die ganze Ausbildung in der Plattform berliner-schiedsrichter.de abgebildet, von der Anmeldung über die Verwaltung des Anfängerlehrgangs bis hin zur Durchführung der Patenschaft. Benjamin Pilgrim stellt als Verantwortlicher einige der neuen und überaus sinnvollen Funktionen der Plattform dafür vor. Man erhofft sich dadurch nicht nur eine deutliche Entlastung der Verantwortlichen und einfachere Organisation der Lehrgänge, sondern auch eine bessere Betreuung der neuen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, wenn alle Beteiligten zu jedem Zeitpunkt des Prozesses über alle Informationen verfügen.

Regeltest online

Ab dem nächsten Jahr gibt es den Regeltest online. Das bedeutet, dass man seinen Test im Mai zu jeder Tageszeit innerhalb von 30 Minuten ablegen kann. Man bekommt einen Link zugeschickt, der dann eine gewisse Zeit aktiv ist. Der Vorteil ist, dass die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter für die Prüfung nicht in die LG müssen und auch der Aufwand für die Durchführung der Prüfungen erheblich reduziert wird. Wer seine Prüfung auf Papier ablegen will, kann dies bei allen Terminen der Leistungsschiedsrichter weiterhin tun.

Neue Klamotten

In Zusammenarbeit mit „11teamsports“ als Sponsor des BFV wird demnächst eine Ausstattung für Schiedsrichter (T-Shirt, Trainings-Pulli und -anzug mit BFV-Logo und der Aufschrift „Schiedsrichter“ sowie dem Aufdruck des Sponsors sowohl online als auch im Laden zu kaufen sein.

Neue Spesensätze vielleicht ab 1.1.2020

Das Präsidium des BFV stehe den vom Beirat beschlossenen Spesenänderungen positiv gegenüber. Aufgrund der Beschlüsse des letzten Verbandstags können derartige Änderungen aber nur noch bei Verbandstagen entschieden werden. Der nächste ist in einem Jahr. Bis dahin wird Jörg Wehling bei den Vereinen Werbung für die Erhöhung machen in der Hoffnung, dass wir dann ab dem 01.01.2020 alle mehr Geld für unsere Spiele bekommen.