Vereine stark machen

Rückblick 2015

Vereine stark machen – 5. Fachtag für den Fußball

Foto: Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT).

Bereits zum fünften Mal fand am 6. November 2015 der Nachmittag für Vielfalt im Fußball im Rathaus Kreuzberg statt. Im lösungsorientierten Austausch wurden aktuelle Themen angesprochen.

Hier gibt es die Dokumentation des Fachtags zum Download.

100 vorwiegend ehrenamtlich im Sport Engagierte aus Berlin und Umgebung waren der Einladung gefolgt, um über Respekt, Toleranz, Fairness und Gewaltprävention auf und neben dem Fußballplatz zu diskutieren. Aber auch Teilnehmer/-innen aus Hamburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen, die sich von der Arbeit verschiedener Initiativen und Vereine inspirieren lassen, Kontakte knüpfen und aktuelle Problemstellungen diskutieren wollten, reisten an.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch ein Grußwort von Dr. Peter Beckers, Bezirksstadtrat in Kreuzberg für Wirtschaft, Ordnung, Schule und Sport, der das Thema der Veranstaltung als „Fragen, die den Fußball, die Gesellschaft und den Kiez tangieren“ zusammenfasste. Angesichts der aktuellen Lage nutze er die Gelegenheit allerdings auch um für Verständnis zu werben, dass zurzeit vermehrt Sporthallen als Unterkünfte für Geflüchtete genutzt würden und der Sport erst einmal hinten anstehen müsse. Fußball sei mehr als nur ein entspannender und attraktiver Zeitvertreib, so Andreas Statzkowski, Staatssekretär für die Senatsverwaltung für Inneres und Sport des Landes Berlin, in seinem Grußwort. Deutschland sei mit 6,5 Millionen aktiven Fußballspielern in 27.000 organisierten Vereinen zweifelsohne eine Fußballnation und dies solle man sich zu nutzen machen: Es sei essentiell, Fairness, Toleranz und Respekt immer wieder einzufordern. Fußball könne einen „Einstieg in unsere Gesellschaft“ ermöglichen und helfen kulturelle, gesellschaftliche und soziale Unterschiede zu überwinden.

Veranstalter verdeutlichten die Absichten des Fachtages

In einer kurzen Eröffnungsrunde stellten die Veranstalter ihre Motivation, den Nachmittag für den Fußball zum 5. Mal anzubieten, vor. Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, räumte Herausforderungen im Fußball ein: Spielabbrüche, Übergriffe auf Schiris und fehlende Toleranz gebe es weiterhin – weshalb Veranstaltungen wie diese sowie eine präventive Jugendarbeit zentrale und vielversprechende Lösungsansätze seien.

Gerade bei dem Thema Homophobie sieht Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, noch viel Handlungsbedarf. Es gebe zwar Fortschritte zu verzeichnen, betonte er, aber er wünschte sich u.a. mehr Vereine, die sich an der Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne „Rote Karte für Homophobie“ beteiligen, die der Berliner Fußball-Verband gemeinsam mit dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg 2013 ins Leben gerufen hat.

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz wolle die ehrenamtlichen Akteure im Fußball unterstützen und vernetzen. Zudem sei der Sport ein gutes Instrument, um Werte wie Toleranz, Antidiskriminierung und Respekt zu vermitteln. Denn um die Gesellschaft zu verändern, müsse auch der Sport in den Blick genommen werden, erklärte Johanna Suwelack vom BfDT.

Praxisnahe Werkstätten griffen aktuelle Themen auf

Anschließend konnten die Teilnehmenden in fünf praxisorientierten Werkstätten Ideen entwickeln um das Klima auf den Fußballplätzen weiter zu verbessern. Dort wurden zahlreiche Fragen aufgeworfen: Wie kann der Umgang mit Schiedsrichtern verbessert werden? Was können Vereine gegen Homophobie tun? Wie lassen sich Geflüchtete in Fußballvereine integrieren? Was tun bei sexuellen Übergriffen im Fußball? Und wie können effiziente Netzwerke im Kiez geschaffen werden?

In einer kurzweiligen Abschlussrunde befragte Moderator Boris Knoblich einzelne Teilnehmer/-innen zu ihrer persönlichen Motivation, die jeweilige Werkstatt besucht zu haben sowie nach den in den Werkstätten diskutierten Inhalten und Ergebnissen.

Anschließend bot die „3. Halbzeit“ Gelegenheit, sich auszutauschen und zu vernetzen sowie den Markt der Möglichkeiten zu besuchen, auf dem sich Projekte und Initiativen präsentierten.

Der 5. Nachmittag für Vielfalt im Fußball im Rathaus Kreuzberg wurde vom BfDT gemeinsam mit dem Berliner Fußball-Verband e.V. (BFV), dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg und der Landeskommission Berlin gegen Gewalt organisiert.


Rückblick 2014

Foto: sr pictures Sandra Ritschel

Bereits zum vierten Mal veranstaltete der BFV am 21. November seinen Fachtag unter dem Motto „Vereine stark machen – für Vielfalt im Fußball“ im Rathaus Charlottenburg.

Dank der Zusammenarbeit zwischen dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), dem Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT), der Landeskommission Berlin gegen Gewalt und dem Berliner Fußball-Verband ist der Fachtag inzwischen zu einer echten Institution gereift: Bereits zum vierten Mal in Folge schloss man sich zusammen, um gemeinsam über die Probleme des Berliner Fußballs zu sprechen.

In fünf verschiedenen Workshops wurden verschiedene Themen präsentiert. Jeder Interessierte konnte kostenlos teilnehmen: Von Vereinsverantwortlichen bis hin zu Politikern, Fans oder Eltern hatte jeder Teilnehmer die Chance, seiner Meinung Gehör zu verschaffen. Das Ziel war es, auf Basis einer Diskussion Lösungsansätze zu finden. Nach der Begrüßung durch den Charlottenburger Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann ging es auch schon los mit den rund dreistündigen Workshops.
Die Ergebnisse wurden anschließend im Rahmen einer ausführlichen Podiumsdiskussion vorgestellt.

Der BFV-Masterplan - eine Hilfe zur Stärkung des Amateurfußballs?

Der erste Workshop war zugleich der am kontroversesten diskutierte: Es ging um den neuen BFV-Masterplan und dessen Maßnahmen zur Förderung des Amateurfußballs. BFV-Geschäftsführer Michael Lameli und der für die Umsetzung des Masterplans zuständige Sascha Rentmeister zeigten in einer Präsentation, wie das Vorgehen und der konkrete Nutzen der Zukunftsstrategie aussehen. Im Anschluss entstand eine äußerst angeregte Debatte: Von Seiten der Vereinsverantwortlichen wurde hierbei vor allem Kritik an dem Zustand der Berliner Sportstätten geäußert, was auch auf der späteren Podiumsdiskussion noch einmal thematisiert wurde: „Die Situation der Sportstätten muss unbedingt Thema sein“, forderte der Gerd Thomas, 2. Vorsitzender des FC Internationale. Christine Lehmann vom Berliner Fußball-Verband wies wie bereits im Workshop daraufhin, dass dem BFV dieses Anliegen ebenso wichtig ist wie den Vereinen und man bereits äußerst bemüht ist, die Situation zu verbessern. Trotzdem nehme man sich dem Thema selbstverständlich weiterhin an. Auf einen gemeinsamen Nenner kam man in einem allgemeinen Punkt aber dennoch, was BFV-Vizepräsident Gerd Liesegang treffend zusammenfasste: „Wir arbeiten Wochentags bis spät abends und können Sonntags einkaufen. Alles verändert sich. Und der Fußball muss das auch tun.“

Rechtsextremismus im Fußball - Früherkennung im Verein

In Werkstatt Zwei ging es um die Entwicklung rechter Tendenzen in Fußballvereinen, aber auch bei Jugendlichen an sich. Es wurde zudem gefragt, wie man entsprechende Fälle erkennt und welche Handlungsoptionen sich ergeben. Moderiert wurde das Thema von Frank Richter vom Sportjugendclub Lichtenberg. In einer sehr „heterogenen Gruppe“, wie sich die Teilnehmer selbst bezeichneten, entwickelte sich schnell eine sehr ausführliche und emotionale Gesprächsrunde, die aber letzten Endes einstimmig zu dem Ergebnis führte: Dem Problem des Rechtsextremismus im Berliner Fußball muss entgegen gewirkt werden. Ähnlich brachte es auch Gerd Liesegang, der am Workshop teilnahm und dort Input lieferte, anschließend auf den Punkt: „Wir sind erst am Anfang der Entwicklung. Es muss noch viel getan werden, um den Rechtsextremismus zu bekämpfen. Es wird noch zu oft einfach hingenommen. Der Fußball muss sich auch helfen lassen.“ Dr. Gregor Rosenthal vom Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus und Gewalt ergänzte, der Fußball habe „das Potenzial, Menschen zu entwickeln“, gerade deshalb sei es wichtig, rechte Tendenzen in Vereinen zu erkennen und zu reagieren. Der Workshop war für alle Beteiligten aufschlussreich, allerdings verging bei dem brisanten und emotionalen Thema schnell die Zeit, sodass noch einige Aspekte offen blieben.

Anti-Gewalt-Training praxisnah

In diesem Workshop stellte Diplom-Pädagoge Stefan Kahle die Inhalte seiner Anti-Gewalt-Kurse vor und zeigte, mit welchen Methoden gearbeitet wird. Die Seminare werden u.a. in den Räumlichkeiten des BFV durchgeführt und sollen Jugendlichen dabei helfen, nicht auf Gewalt zurückzugreifen. Dazu gehören auch junge Fußballer, die im Rahmen einer Sperre verpflichtet sind, am Anti-Gewalt-Training teilzunehmen. In Form von viel Anschauungsmaterial und verschiedenen Übungen wurde den Teilnehmern vermittelt, wie die Präventionsarbeit von statten geht: Den Tätern soll bis ins Detail gezeigt werden, wie es zu der Auseinandersetzung kam. Entscheidend sind hierbei verschiedene Stufen des Konflikts, die gemeinsam aufgearbeitet werden. „Der Workshop war sehr gut und aufschlussreich, aber für das gesamte Thema sind drei Stunden am Ende leider nicht ganz ausreichend. Die einzige offene Frage ist die nach der Nachhaltigkeit der Seminare, denn die ist momentan leider nicht messbar“, lautete das Fazit von BFV-Beiratsmitglied Ingo Büchner auf der abschließenden Podiumsdiskussion. Daraufhin versicherte Gerd Liesegang jedoch: „Wir sehen den Nutzen der Seminare ganz eindeutig. Andere Landesverbände haben sich dieses Vorgehen bereits abgeschaut.“

Sprachfoul

Wo fängt verbale Diskriminierung an? Das war eine der grundlegenden Fragen in Werkstatt Vier. Robert Claus von der „Kompetenzgruppe Fankulturen & Sport bezogene Soziale Arbeit“ der Leibniz Universität Hannover, Christian Rudolph vom LSVD, Anne Petzold von Mediasport Leipzig und Johann Schwarz, Schiedsrichter beim FSV Hansa 07, boten den zahlreichen Teilnehmern reichlich Input und zeigten, welche Schritte man gegen respektloses Verhalten unternehmen kann. Zudem blieb genügend Zeit für die Teilnehmer, sich auch untereinander über ihre Erfahrungen in Hinsicht auf Beleidigungen auszutauschen. „Wir haben uns sofort darauf verständigt, keine Linie zwischen klaren Diskriminierungen und leider oft gängigen Sprüchen zu ziehen“, sagte Robert Claus anschließend. Jörg Steinert, Präsident des LSVD, kam auf den Leitfaden „Rote Karte für Homophobie“ zu sprechen, den der Berliner Fußball-Verband zusammen mit dem LSVD entwickelte: „Der BFV ist deutschlandweit Vorreiter, gerade deshalb brauchen wir ihn als starken Partner. Die Sensibilität im Jugendbereich muss gefördert werden, gerade im Jugendbereich, wo Kinder sozialisiert werden.“

Fußball & Armut: Ohne Moos nix los?

Im fünften und letzten Workshop ging es um die finanzielle Herausforderung, die das Fußballspielen für einige Menschen darstellt. In manchen Kiezen der Stadt ist es für die ansässigen Familien alles andere als leicht, ihren Kindern die Teilhabe am Sport zu ermöglichen, da selbst der oftmals geringe Vereinsbeitrag eine echte Hürde darstellt. Unter der Leitung von Johanna Suwelack vom BfDT, Christina Mauch von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport sowie Carolin Gaffron von Champions ohne Grenzen wurde versucht, sich diesem Thema zu nähern. Hierzu wurden zunächst bereits existierende Fördermöglichkeiten und Aktionen vorgestellt. Durch den regen Austausch unter den Teilnehmer, die ihrerseits zu einem großen Teil selbst im Rahmen verschiedener, sozialer Projekte rund um den Fußball aktiv sind, wurden schnell Ziele formuliert, die Dr. Gregor Rosenthal noch einmal festhielt: „Wir haben viele verschiedene Projekte. Aber die bereitstehenden Fördergelder müssen besser kommuniziert werden. Es muss mehr Informationen zu den verschiedenen Initiativen vermittelt werden.“ Ergebnis war daher eine Zusammenstellung aller bekannten Fördermöglichkeiten, welche im Workshop erarbeitet wurde.

Ein besonderer Gast: Halil Ibrahim Dinçdag

Besonderes Highlight der abschließenden Podiumsdiskussion war der Auftritt des türkischen Schiedsrichters Halil Ibrahim Dinçdag. Nachdem er 2008 den Wehrdienst verweigerte, ist es ihm seit 2009 aufgrund seiner Homosexualität untersagt, in der Türkei weiter als Schiedsrichter aktiv zu sein. Auf dem Fachtag besuchte er den Workshop Sprachfoul und war sichtlich begeistert: „Ich bin sehr glücklich, dass ich hier sein darf. In der Türkei gibt es solche Veranstaltungen, die sich mit Themen wie Homosexualität befassen, nur hinter verschlossenen Türen. Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern und werde viele der heutigen Erfahrungen mit in die Türkei nehmen.“

Zum Schluss blieb Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann nur noch zu sagen: „Berlin ist auf einem guten Weg. Der vierte Fachtag zeigt, dass das Ganze eine Nachhaltigkeit besitzt.“

Nach dem langen, aber erfolgreichen Nachmittag eröffnete Moderator und BFV-Pressesprecher Kevin Langer schließlich das Buffet, was allen Teilnehmern nochmal einmal die Möglichkeit gab, sich untereinander auszutauschen.

Bildergalerie


Rückblick 2013

3. Nachmittag für das Ehrenamt und den Fußball

3. Nachmittag für das Ehrenamt und den Fußball. Foto: Steven Gallrach

Unter dem Motto „VEREINE STARK MACHEN - für Vielfalt im Fußball“ veranstaltete der Berliner Fußball-Verband am vergangenen Freitag seine dritte Fachtagung im Bärensaal im Alten Stadthaus.

Der BFV führte gemeinsam mit dem Bündnis für Demokratie und Toleranz, der Landeskommission Berlin gegen Gewalt und dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) die Workshop-Veranstaltung durch. Moderiert wurde die Veranstaltung von Breschkai Ferhad vom Berliner Fußball-Verband. Staatsekretär der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Andreas Statzkowski, nahm die Begrüßung der rund 80 Vereinsvertreter vor. Er betonte die Bedeutung des Ehrenamts und forderte jeden auf, sich den gesellschaftlichen Problemen auf und abseits des Platzes anzunehmen. „Es ist wichtig, dass wir heute nicht nur darüber reden, sondern in Zukunft auch entsprechend handeln.“, so Statzkowski. BFV-Vizepräsident Gerd Liesegang freute sich über die zahlreichen Teilnehmer und fügte gleichzeitig die Verantwortung jedes Einzelnen hinzu: „Der Fußball hat auf gesellschaftlicher Ebene viel zu bieten. Wir als Berliner Fußball-Verband werden uns auch in Zukunft für die Vereine engagieren und bitten zugleich, uns bei der geplanten Kinderschutzkampagne zu unterstützen. Wir müssen den Kindern beibringen, Selbstbewusstsein zu entwickeln und dass sie lernen, in bestimmten Situationen auch Nein zu sagen.“

Gemeinsam Lösungsansätze entwickeln

In diesem Jahr wurden in vier Werkstätten aktuelle gesellschaftliche Themen behandelt und Lösungsvorschläge für die alltägliche Arbeit in den Vereinen entwickelt. Die erste lief unter dem Thema „Die Medien berichten doch nur, wenn es schlecht läuft…!“ und unter der Leitung vom Journalisten Christian Booß. Gemeinsam entwickelten die Vereinsvertreter mit den anwesenden Journalisten Handlungsstrategien, wie das soziale Engagement der Vereine die Aufmerksamkeit der Medienvertreter erreichen kann. In dem rund drei-stündigen Workshop kam man unter Anwesenheit des BFV-Pressesprechers Kevin Langner zu dem Entschluss, in Zukunft ein Medienseminar für Pressesprecher der Vereine anzubieten. Der Workshop zu Cybermobbing entfiel aufgrund der wenigen Anmeldungen. Dieses Thema wurde im Anschluss zumindest angeschnitten. Für weitere Informationen können sich interessierte Vereinsvertreter/-innen mit der Rechtsanwältin Gesa Stückmann in Verbindung setzen.

„Raus aus dem Tabu, rein in die Vereine!“

Die zweite Werkstatt befasste sich mit der Kampagne „Rote Karte für Homophobie“ vom LSVD. In einer offenen Diskussionsrunde wurde über weitere Möglichkeiten gesprochen, wie man die Aufklärungsarbeit in den Vereinen vor ran bringen kann. Dazu soll künftig zunächst der Vorstand sensibilisiert werden, der dies dann an seine Trainer/-innen weiter leitet, die wiederum ihre Spieler und deren Eltern über Homosexualität im Fußball aufklären. Als weitere Maßnahme wurde eine Hallen-Turnierserie in Erwägung gezogen. Die bisherigen Partnervereine laden benachbarte Mannschaften ein und betreiben bei Spielern und Zuschauern die nötige Aufklärungsarbeit vor Ort. Zudem ist der BFV nun bestrebt, dieses Thema künftig in die Trainerausbildung einzubauen. BFV-Vizepräsident für Recht, Jürgen Pufahl, empfahl allen Vereinen, Antidiskriminierungen in ihren Satzungen zu verankern.

Konflikte erfolgreich lösen

Der dritte Workshop beschäftigte sich mit der steigenden Gewalt auf den Sportplätzen. Zusammen mit Christine Burk von der Landeskommission gegen Gewalt und dem BFV-Sicherheitsbeauftragten Hubert Müller wurde über die derzeitigen Konfliktherde gesprochen und anschließend Lösungsansätze entwickelt. Alle Anwesenden waren sich einig, dass die jeweiligen Trainer sich ihrer Vorbildfunktion wieder bewusst werden müssen, da sich ihr Verhalten auf die Spieler und Zuschauer auswirkt. Provokationen auf und neben den Platz müssen von allen Beteiligten frühzeitig unterbunden werden. Zudem einigte man sich darauf, dass die Rolle der Schiedsrichter als zu selbstverständlich wahrgenommen wird und man auch ihnen Fehler in schwierigen Spielsituationen zugestehen muss. Das Problem meckernder Eltern habe sich nach Ansicht der anwesenden Vereinsvertreter mit der Einführung der „Fan-Zone“ etwas gebessert, jedoch müsse weiterhin für Ruhe am Spielfeldrand gesorgt werden. Dabei wurde von vielen Anwesenden Fanbeauftragte gefordert, die sich dieser Sache annehmen. Das Aufeinandertreffen mit Migrantenvereinen enthält in einigen Bezirken weiterhin erhöhtes Konfliktpotenzial. Christine Burk erinnerte an das Berliner Freunde Frühstück, zu dem der Heimverein den Gast im Vorfeld der Partie einladen kann und somit jeder Spieler seinen Gegenspieler kennenlernen kann, damit anschließend Missverständnisse auf dem Platz vermieden werden können.

Probleme bei Sporthallenvergabe

In der Werkstatt zum Thema „Die Ressource Sportplatz(-halle)“ wurde in Anwesenheit von Harald Bösch-Soleil von der Senatsverwaltung für Inneres & Sport und Verantwortlichen der bezirklichen Sportämter die Verteilung der Sportanlagen diskutiert. Einige Vereinsvertreter beklagten die ungleichmäßige Vergabe der Hallenzeiten und forderten dahingehend mehr Transparenz von den Sportämtern. Zudem einigten sich die Vereinsvertreter untereinander, nicht genutzte Hallenkapazitäten in Zukunft rechtzeitig für benachbarte Vereine zur Verfügung zu stellen. Eine weitere Überlegung war, die Hallen- und Sportplatzbelegung im Internet anzuzeigen, damit Vereine für geplante Hallenturniere sich daran orientieren können. Wie in allen Werkstätten war die unzureichende Zeit zur Klärung weiterer Probleme ausschlaggebend. Deshalb bot die Senatsverwaltung für Inneres und Sport den Vereinsvertretern an, das Thema „Schlüsselverträge“ in einem gesonderten Workshop zu besprechen.

Abschlusspodium und Vorstellung der Ergebnisse aus den Werkstätten

Im Nachgang wurden die Ergebnisse der Werkstätten von je zwei Teilnehmern jeder Werkstatt vorgestellt. BFV-Präsident Bernd Schultz versprach, dass man sich den entwickelten Lösungsansätzen annimmt und gemeinsam mit allen Beteiligten zur Umsetzung bestrebt ist. Zum Abschluss folgte die 3. Halbzeit, bei dem sich alle Teilnehmer am Buffet stärken konnten und erste Verknüpfungen zur Umsetzung geschlossen wurden.

Service-Link:
Bildergalerie zum 3. Nachmittag für das Ehrenamt und den Fußball 


Rückblick 2012

2. Nachmittag für das Ehrenamt und den Fußball

Abschlusspodium: v.l.nr. Torsten Siebert, Dr. Herbert Dierker, Hannelore Ratzeburg, Bernd Schultz, Dr. Gregor Rosenthal und Shelly Kupferberg
Abschlusspodium: v.l.nr. Torsten Siebert, Dr. Herbert Dierker, Hannelore Ratzeburg, Bernd Schultz, Dr. Gregor Rosenthal und Shelly Kupferberg
Blick in den gut gefüllten Bärensaal Fotos: Kathrin Nicklas
Blick in den gut gefüllten Bärensaal Fotos: Kathrin Nicklas

Pünktlich um 15.30 Uhr, eröffnete Shelly Kupferberg, Moderatorin beim Deutschlandradio, den 2. Nachmittag für den Fußball. Nach dem Erfolg der letztjährigen Auftaktveranstaltung, lud der Berliner Fußball-Verband erneut zu einem Nachmittag für das Ehrenamt und den Fußball ein.

Für die Veranstalter erfreulich, dass die Resonanz aus dem Vorjahr noch übertroffen wurde und rund 100 Vereinsvertreter sich mit zahlreichen Vertretern aus zivilgesellschaftlich engagierten Projekten rund um den Fußball austauschen konnten. Die Vertreter der Kooperationspartner, Bündnis für Demokratie und Toleranz, Landeskommission Berlin gegen Gewalt und dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg e.V. zeigten sich sehr zufrieden mit dem gesamten Verlauf der Veranstaltung.

„Wir sind in diesem Jahr noch einen Schritt weiter gegangen und haben in den fünf unterschiedlichen Workshops Wünsche und Forderungen an die Politik und an den Verband formuliert, aber auch selbstkritisch beleuchtet, was unsere Vereine zum Thema beitragen können“, sagte Gerd Liesegang (Vizepräsident des BFV).

Auch Dr. Gregor Rosenthal vom Bündnis für Demokratie und Toleranz, zog ein positives Fazit und betonte: „dass man bei der Veranstaltung im nächsten Jahr genau unter die Lupe nehmen wird, welche Ergebnisse in einem Jahr erzielt wurden."

Die Veranstaltung wurde prominent unterstützt durch die Vizepräsidentin des DFB, Frau Hannelore Ratzeburg. Diese engagierte sich leidenschaftlich in ihrem Workshop, als auch auf dem Abschlusspodium und ist genauso gespannt auf die Umsetzung der zahlreich gestellten Forderungen und Wünsche.

Nachfolgend sind nochmal alle Workshops aufgeführt, diese wurden protokolliert und  in einer Abschlussdokumentation an die Teilnehmer versandt.

Workshop 1 „Mädchen und Frauen spielen Fußball – schön und gut, aber wie steht mein Verein dazu?“

Workshop 2 "Kinderschutz, Gewaltprävention oder Suchtprävention …. Was hat das mit Fußball zu tun?"

Workshop 3 „Was hinter den vier Wänden zu Hause passiert ist mir doch egal, Hauptsache auf dem Platz wird Leistung gebracht!“

Workshop 4 „Dann habe ich rot gesehen…“

Workshop 5 "Was heißt Vielfalt und wer integriert sich wo in was rein?"